Das Beratungs- und Frühinterventionsprogramm STEEP™

STEEP™ steht für Steps Toward Effective Enjoyable Parenting - Schritte hin zu gelingender und Freude bereitender Elternschaft

STEEP™ ist ein videogestütztes Beratungs- und Frühinterventionsprogramm, das auf der Bindungstheorie basiert und in den USA von Martha Erickson und Byron Egeland, University of Minnessota – Center for early education and development – entwickelt wurde.

Ziel des Programms ist es, besonders Eltern in Krisen- und Belastungssituationen beim Aufbau einer gelingenden Eltern-Kind-Beziehung zu unterstützen. Daher setzt STEEP™ bereits in der Schwangerschaft an und wird bis ins dritte Lebensjahr angewandt. Dabei kommen sowohl Einzelkontakte (Hausbesuche) mit videogestützter Beratung, als auch Eltern-Kind-Gruppen und Familienaktionen zum Tragen. So kann die beginnende Bindungsentwicklung zwischen Eltern und Kind optimal gefördert werden.

Im Prozess der Begleitung dienen objektive Methoden zur Einschätzung der Interaktionsqualität (z.B. Feinfühligkeitsskala) als Interventionsgrundlage. Eltern sollen nicht perfekt, jedoch ausreichend gut mit ihren Kindern umgehen können. Insofern wird auch ein kritisch-reflexiver Umgang mit dem eigenen Erziehungsverhalten und der eigenen Biographie angestrebt.

Das STEEP™-Programm dient insbesondere der Resilienzförderung und der Verhinderung von Kindeswohlgefährdung und richtet sich spezifisch an psychosozial hochbelastete Familien. Es ist ein komplexes Frühinterventionsprogramm, das auf unterschiedlichen Ebenen ansetzt:

Verhaltensebene
Der Umgang von Eltern mit dem Kind wird auf Video aufgenommen. Über das gemeinsame Betrachten mit den betroffenen Eltern wird dies zum Gegenstand der Intervention (Seeing is believing: Was man sehen kann, das glaubt man auch).

Repräsentationsebene
Bindungsmodelle der Eltern, die meist aus ihrer eigenen Kindheit stammen und die Beziehung zu ihren Kindern steuern, werden in ihrer Auswirkung auf den konkreten Umgang mit dem Kind aufgespürt und zum Thema der Intervention (Looking back, moving forward: Rückschau, um vorwärts zu kommen).

Helfende Beziehung
Eigene Bindungsmodelle ändern sich vorwiegend in bedeutsamen Beziehungen; deshalb kommt der Gestaltung der helfenden Beziehung eine zentrale Bedeutung zu. Der besondere Anspruch besteht im Finden einer Balance zwischen einer stimmigen Natürlichkeit und Zuwendung als auch der gebotenen Distanz und Reflexion.

Soziale Unterstützung
Eltern brauchen soziale Unterstützung, die nicht nur von professionellen Helfern gegeben werden soll, sondern auch von anderen Müttern (Gruppenangebote) und über weitere Hilfsangebote im Sozialraum.

Praxishandbuch

Über zwei Jahre hinweg finden im Rahmen des STEEP™-Programms neben den Hausbesuchen Gruppentermine und Familienaktionen statt. Ziele des Gruppenangebots und der Familienaktionen sind die Verhinderung sozialer Isolation, die Vermittlung von Informationen über Kindesentwicklung und allgemeine Lebensbewältigung sowie die Förderung einer positiven Elternschaftrolle. Eine Anleitung zur Gestaltung der Gruppentermine und deren Nachbearbeitung während der individuellen Hausbesuchstermine findet sich im STEEP™-Handbuch mit dem Titel „Die Stärkung der Eltern-Kind-Bindung“ aus dem Klett-Cotta-Verlag.

Weiterentwicklung von STEEP™

Alle Informationen beziehen sich zunächst auf STEEP™ in der ursprünglichen Form, d.h. STEEP™ Complete, das sich an Familien mit Kindern bis zu 3 Jahren richtet.
Grundsätze und Methoden des Programms finden auch Anwendung in einer STEEP™ basierten Eltern-Kind-Beratung (STEEP™-based counseling) und in STEEP™-basierten Gruppen – für Familien mit Kindern auch über das dritte Lebensjahr hinaus bis ins Schulalter.